Mit KI das Beratungsgespräch in der Apotheke üben – Zukunftsunterricht an der
Theodor-Litt-Schule im Rahmen des deutsch-dänischen Interreg-Projekts
„MYRECross“

Ein Beratungsgespräch in der Apotheke mit einer Künstlichen Intelligenz üben? Diese besondere Lernsituation ist für Schülerinnen und Schüler der Theodor-Litt-Schule bereits Realität. Statt Rollenspiel im Klassenraum trainieren sie Beratungssituationen mit eigens entwickelten KI-Assistenten praxisnah, interaktiv und jederzeit wiederholbar. Ein Unterrichtskonzept, das zeigt, wie stark sich Ausbildung durch digitale Technologien gerade verändert.
Seit dem 1. Oktober 2025 ist die Theodor-Litt-Schule Teil des deutsch-dänischen Interreg-Projekts „MYRECross“. Ziel der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit ist es,Zukunftstechnologien stärker in Bildung und Ausbildung zu verankern und junge Menschenfrühzeitig auf die Anforderungen einer zunehmend digitalen Arbeitswelt vorzubereiten.
Das Projekt „MYRECross“ ist auf drei Jahre angelegt (2025–2028) und vereint insgesamtzehn Bildungs- und Forschungseinrichtungen aus Süddänemark und Norddeutschland.Gemeinsam entwickeln die Partner 110 neue Lernmodule entlang der gesamtenBildungskette, von der Sekundarstufe I über die berufliche Bildung bis hin zuFachhochschulen und Hochschulen.
Im Mittelpunkt stehen sogenannte Zukunftstechnologien. Dazu zählen Anwendungen der Künstlichen Intelligenz, Virtual und Augmented Reality, Robotik sowie autonome Transportlösungen zu Wasser und in der Luft. Digitale Bildung und Nachhaltigkeit bilden dabei zentrale Leitgedanken, die fächerübergreifend und über Landesgrenzen hinweg umgesetzt werden sollen. Insgesamt werden mehrere Hundert Lehrkräfte sowie rund 3.500 Schülerinnen, Schüler und Studierende in Deutschland und Dänemark beteiligt sein. Als gemeinsamer pädagogischer Rahmen dient das DigiDidaktik-Modell.
„Mit MYRECross öffnen wir unseren Unterricht noch stärker für eine internationale Zusammenarbeit und technologische Innovationen“, erklärt Schulleiter Olaf Hirt. „Unsere Schülerinnen und Schüler profitieren davon, moderne Technologien nicht nur theoretisch kennenzulernen, sondern sie aktiv anzuwenden und mitzugestalten.“
Der Projektname „MYRE“ steht für „More Youths Realize Emerging Technologies“, also das Ziel, mehr junge Menschen für Zukunftstechnologien zu begeistern und ihre Kompetenzen im Umgang damit zu stärken. Gleichzeitig verweist der Name, das dänische Wort für „Ameise“, auf die Idee gemeinschaftlicher Zusammenarbeit: Kleine Beiträge vieler Beteiligter sollen gemeinsam große Wirkung entfalten.
Ein erstes an der Theodor-Litt-Schule entwickeltes Lernmodul, das Beratungsgespräche zu Erkältungssymptomen realitätsnah mit KI nachbildet, wurde in der Ausbildung der
Pharmazeutisch-technischen Assistentinnen und Assistenten (PTA) erprobt. Die
Schülerinnen und Schüler konnten sich mit KI-gestützten Assistenten unterhalten, die
erkältete Patientinnen und Patienten simulieren. Auch die Auswertung und Rückmeldungen
zu den simulierten Beratungsgesprächen erfolgen KI-gestützt. Die Erfahrungen und
Rückmeldungen Pharmazeutisch-technischen Assistentinnen und Assistenten sowie ein
Feedback der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Kiel (HAW) fließen in die
Weiterentwicklung des Lernmoduls ein.
„Es hat großen Spaß gemacht, die Assistenten zu entwickeln und sie in ein Lernmodul zu integrieren“, berichtet Frau Billker. „Die Rückmeldungen und Ideen der Schülerinnen und
Schüler haben die Qualität der KI-Kundinnen und Kunden nochmals deutlich
verbessert.“ Ziel sei es gewesen, praxisnahe Lernsituationen zu schaffen, die den
Berufsalltag möglichst realistisch abbilden.
Auch Kollegin Frau Nottelmann betont die strategische Bedeutung des Projekts: „Wir wollen moderne Technologien in unsere Ausbildung integrieren und unseren Schülerinnen und Schülern Kompetenzen vermitteln, die sie später im Beruf wirklich brauchen.“ Neben der regulären Ausbildung entstand zudem eine vereinfachte Version des Moduls im Rahmen einer Berufsfelderkundung für Schülerinnen und Schüler von Gemeinschaftsschulen. Zudem unterstützte ein von Lehrkräften entwickelter digitaler Assistent den Lernprozess. „Wir wollten jungen Menschen frühzeitig Einblicke in pharmazeutische Berufe ermöglichen“, erklärt Frau Dr. Bork. „Die Schülerinnen und Schüler waren von den Aufgaben begeistert und haben sehr engagiert mitgearbeitet.“
Weitere innovative Lernmodule sind bereits in Planung. So soll der schuleigene Arzneimittelgarten künftig durch Augmented-Reality-Elemente ergänzt werden, um Naturerfahrungen mit virtuellem Lernen zu verbinden und Inhalte unabhängig von Jahreszeiten zugänglich zu machen. Darüber hinaus entsteht ein Virtual-Reality-Modul, das den Prozess der Tablettierung interaktiv und realitätsnah erlebbar macht.
Schulleiter Olaf Hirt sieht darin einen wichtigen Schritt für die Zukunft der beruflichen Bildung: „MYRECross zeigt, wie Lernen aussehen kann, wenn Schulen,
Forschungseinrichtungen und internationale Partner ihre Stärken bündeln. Wir schaffen
Lernumgebungen, die Innovation erlebbar machen und junge Menschen optimal auf die
Arbeitswelt von morgen vorbereiten.“
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